Nachtrag:
Nachwuchs ist da. Gleich am nächsten Morgen nach dem ersten Eintrag konnte ich zwei Jungfische retten. Die anderen wurden wahrscheinlich alle gefressen.
Die kleinen sind bis heute in einem kleinen Aufzuchtbecken und selbstverständlich von Anfang an in reinem Meerwasser. Sie kommen mit ca. 1,2 cm zur Welt und können von Anfang an Lobstereier vom Boden aufpicken. Angeblich sind sie aber sehr empfindlich auf zu hohen Nitratwert, deshalb tausche ich das Wasser zwei mal am Tag gegen Wasser aus dem Hauptbecken aus. Es sollten auch von Anfang an Algen zur Verfügung stehen.
Nachtrag zu den erwachsenen Tieren:
Das Männchen hat eine intensivere Färbung mit einer Art Musterung ausgebildet- das ist bei dieser Art normal und bezeichnet dasd dominierende Männchen (hab ja nur eins).
Es ist auch noch ein Weibchen dazu gekommen, man sollte immer ein Männchen mit mehreren Weibchen pflegen, damit das eine nicht zu sehr bedrängt wird.
Nachtrag zur Verbreitung:
Diese Art kommt durchaus auch in Korallenriffen vor. So hat sie z.B. Walter Stark im Korallenriff Aligator Reef (Florida) als gewöhnliche und häufig vorkommende Art beschrieben. Einige Exemplare liegen im Ichthyological Museum of the Institute of Marine Science.
Ein durchaus für Meerwasser-Aquarien sehr zu empfehlender Fisch. Bei mir fressen sie Fadenalgen, putzen sich häutende Gorgonien und "schlürfen" sogar die Kahmhaut von der Oberfläche weg. Dazu, wie ich finde, sind es schöne Fische, die viel Spaß machen können.
Zum Hintergrund der Idee, sie in mein Becken zu setzen:
Durch das Halten von Breitflossenkärpflingen in Salztümpeln mit unterschiedlicher Salinität wurde herausgefunden, dass sowohl Breitflossenkärpflinge aus Salzwasserpopulationen als auch sogar Tiere aus Süßwasserpopulationen bei einer Salinität von 60 ppt (beinahe das Doppelte vom Meerwasser) dauerhaft leben können und sich hier sogar fortpflanzen (Nordlie et al. 1998). Eine erste Erklärung wurde bei dieser Versuchreihe im Blutplasma gefunden. Die Osmolarität von osmotisch wirksamen Bestandteilen ist bei dieser Art mit 350 mOsm/kg sehr hoch (sogar höher bei als der Meeräsche Mugil cephalus.). In früheren Studien wurde herausgefunden, dass Jungfische in reinem Meerwasser (35 ppt) schneller wachsen und sogar insgesamt größer werden, als in Süßwasser (Trexler & Travis, 1989).
Darüberhinaus gibt es offenbar stabile Populationen nicht nur in Lagunen/Ästuaren, sondern auch im Meer selbst (aber die Tiere werden höchstens wenige km von der Küste entfernt gefunden).
Noch etwas zu der sibernen Form:
Meine Fotos zeigen die siberne Zuchtform (die Wildform ist schwerer zu bekommen). Jedoch kommt diese Art auch in der Natur in verschiedenen Farbvarianten vor. Auch die Form der männlichen Rückenflosse ist variabel. Sie kann bei manchen Tieren so weit vergrößert sein, dass man sie leicht mit dem Segelkärpfling (P. verlifera) verwechseln kann. Der Ursprung der silberfarbenen Zuchtform ist ungewiss und es wird vermutet, dass auch P. velifera und möglicherweise auch P. sphenops ("Spitzmaulkärpfling"- bekannteste Zuchtform: "Black Molly") hineingekreuzt wurden. Es gibt auch von P.latipinna eine schwarze Zuchtform (veredelt aus natürlich vorkommenden schwazen Individuen). Diese wird auch als Black Molly bezeichnet, damit ist die Verwirrung perfekt. Der Name Molly kommt übrigens von dem veraltetem Gattungsnamen Mollinesia. Es handelt sich also bei verschiedenen "Mollies" nicht unbedingt um die selbe Art.
Meine Erfahrung mit der Ein-/Umgewöhnung:
Meine sogenannten "Silbermollies" stammen aus einem Baumarkt, in dem sie in reinem Süßwasser gehältert wurden. Sie haben eine äußere Erscheinungsform, welche der von P. latipinna am meißten ähnelt und waren auch als genau diese Art beschriftet. Die Umgewöhnung geht bei dieser Art (und so bitte nur mit dieser Art machen!!!) sehr einfach. Ich habe mittels Tröpchenmethode innerhalb von sechs Stunden aus Süßwasser 90% Meerwasser gemacht. Die Tiere haben keinerlei schlechtes Wohlbefinden gezeigt. Ich hatte eigentlich die Eingewöhnung über mehrere Tage geplant (bessere Variante!!), aber das Männchen begann immer heftiger zu balzen (noch im Eingewöhnungscontainer!!!). Das deutete ich offensichtlich richtig als positives Zeichen. Im Aquarium sollten die Tiere noch am selben Tag anfangen, Fadenalgen abzuknabbern, ansonsten geht es ihnen nicht gut.
Das größte Problem war die Strömung. Ich musste sie Anfangs drosseln und dachte schon, das das alles eine schlechte Idee war. Nach mehreren Tagen standen sie plötzlich genau so gut in der Strömung, wie echte Riffbewohner. Ich vermute, dass die Muskulatur und die gesamte Schwimmbewegung war in den strömungstoten Süßwasserbecken irgendwie degeneriert und musste sich erstmal regenerieren. Mittlerweile schwimmen sie auch nicht mehr so zappelnd herum, wie man das aus den Süßwasserbecken kennt, und die Strömung ist wieder sehr stark.
Ich denke auf den Bildern sieht man, dass sie sehr gut ernährt sind (vor allem das Weibchen hat in kurzer Zeit sehr zugenommen) und die Flossen gar keine Punkte, Risse oder Fäule haben. Solche Tiere bekommt man in Süßwasser dagegen nur selten zu sehen. Sie paaren sich mittlerweile sehr häufig und ich hoffe auf baldigen Nachwuchs. Dann wird natürlich nochmal berichtet.
Halte P. violaceus seit über sieben Monaten in meinem 150 Liter Becken mit wenigen kleinen Fischen.
Habe absichtlich ein relativ kleines Tier gekauft, um zu beobachten ob es wächst (genug Nahrung) oder nicht. Mein Apfel ist in 7 Monaten tatsächlich um etwa ein Drittel gewachsen!
Zur Ernährung: Bekommt zwei mal die Woche "ProCoralPhyton und -Zooton" in "Pico-Food" angerührt. Ich kann ihn nicht direkt füttern- beim "Einstauben" zieht er die Tentakel ein. Das Futter einfach ins Wasser verteilen, dann kann man vermehrt beobachten, wie er seine Tentakel abwechselnd in den Mund schiebt.
Bei geeignetem Futter beschleunigt sich diese redundante Bewegung.
Zweimal die Woche Aminosäuren- einmal die Woche wird "Reef Actif" dosiert.
Cyclop eeze, Lobstereier und Bosmiden werden auch gierig in die Mundöfnung geschoben- filtrierende Holothurien sind meißtens auch keine reinen Vegetarier!
Artemien bleiben an den Tenkakeln kleben, rutschen aber beim Versuch sie in die Mundöffnung zu schieben aber immer weg (zu groß).
Übrigens ist ein Becken mit DSB angeschlossen. Dadurch ist mein Wasser relativ Nährstoffarm (NO4 5 mg/l) aber reich an Schwebstoffen und Kleinstlebewesen. Wenn ich alle paar Tage das DSB aufwühle, geht die Gurke auf und frisst sich in einer Art "Bakterienwolke" satt- ebenso alle meine Korallen (SPS und LPS) expandieren hierbei ihre Polypen.
Als Stanort liebt sie eine weiche laminare Strömung direkt von "oben" durch die Tentakel hindurch- eine zusätzliche, unregelmäßig geschaltete Strömungspumpe (8500 L/h) stört sie hierbei nicht.
Falls die Seegurke schrumpft (beim Hungern) muss man höllisch aufpassen! Angeblich verliert der Seeapfel aber zuerst seine Farbe und löst sich dann auf- somit kann man rechtzeitig handeln.
Allerdings wechselt P. violaceus ständig seine Größe- in der Ruhephase ist die Körperform fast kugelrund und manchmal plustert er sich richtig auf.
Ich würde ihn vor allem für kleinere Becken mit wenigen Fischen empfehlen, wenn schon andere Filtrierer erfolgreich ernährt werden, wobei auch größere Nahrung gefressen wird (siehe oben). Ein sehr interessantes Tier und der absolute Blickfang für mein Becken!
keine